Samstag, 10. Mai 2014

Wenn wir von Liebe reden


Auf dem Weg zu dir singe ich im Kopf das Kinderlied. Dabei sehe ich dich. Die Fröhlichkeit in deinem Gesicht. Dein Lachen. So viel Hunger nach Leben. Wie glücklich du aussiehst. So jung. Jung und hübsch. Die Zuversicht in deinen Augen, wenn du singst. Für mich. Ja, ich weiß, ich weiß es. Hab’s schon längst gesehen. Beeilen muss ich mich. Mach ich ja, bin schon an der Ecke.
Du siehst mich. Freust dich.
Ach du.
Heiß ist es heute. Erbarmungslos brennt die Sonne auf meine Rose. Ich bin ja gleich bei dir und bei meiner Rose, werde durch das Tor gehen und sofort nach links schauen, zu dir. Das mache ich immer. Heute werde ich erst zum Brunnen gehen, dann zu dir.
Verstehst du doch.
Ja klar. Bei dieser Hitze werde ich viele Male zum Brunnen gehen, immer hin und her mit der Gießkanne. Schau, ich hab uns eine gelbe gekauft, damit ich sie nicht verwechsle zwischen den grünen am Brunnen. Außerdem finde ich diese gelbe viel schöner. Du auch, das weiß ich. Sie gefällt dir. Und sie passt besser zu meiner Rose. Schon allein, weil sie so außergewöhnlich ist. Außergewöhnlich wie du. Einzigartig wie du und wie sie, meine Rose. Dass ich so oft zwischen dir und dem Brunnen hin und her laufen muss, macht mir gar nichts aus. Meine Rose soll nicht dürsten. Sie soll ihre strahlende Farbe behalten und die herrlich glänzenden Blätter. Vor allem ihr Lachen und ihre Fröhlichkeit. Wir wollen doch noch viel Freude an ihr haben.
Du siehst mich schon am Tor.
Ich gehe hindurch, geradeaus zum Brunnen. Du hättest die rosa Farbe gewählt, ich weiß. Rosa fand ich auch immer schön, früher. Doch jetzt gefällt mir das Rot besser.
Warum rot, fragst du, warum so rot, warum so dunkelrot?
Ich warte, bis der Schmerz ein wenig nachlässt. Das dauert. Ich kenne das schon. Es dauert immer so lange, bis die Stille kommt, die jede Bewegung erstarren lässt und jeden Laut erstickt. Knallrote Stille. Die mir die Tränen in die Augen treibt. Die mir fast den Atem nimmt. Eine Weile, bis ich einen kleinen Schritt mache, stehen bleibe, lange stehen bleibe, bis ich dann langsam weitergehe. Erst zum Brunnen und dann zu dir und zu meiner Rose. So rot.
Du weißt, was das bedeutet, das Rot. Diese fünf Buchstaben. Demnächst bringe ich auch das weiße Herz mit den fünf Buchstaben wieder mit.
Warum ich es weggenommen hatte, obwohl es dein Herz ist, weil ich es dir doch geschenkt habe, fragst du.
Das hab ich dir doch erklärt. Hier draußen ist es zu kalt im Winter. Ich will nicht, dass es in frostigen Nächten zerbricht. Dann hättest du auch nichts mehr davon. Deshalb habe ich es an einem warmen Platz gut geschützt aufbewahrt. Ich werde es wieder mitbringen und an den Sockel lehnen, neben meine Rose, nein, ein bisschen dahinter, weil die Rose, anders als das Herz, zum Sockel etwas Abstand braucht. Ja, ich arrangiere es schön aufrecht am Sockel, den goldenen Schriftzug ein wenig zum Himmel gerichtet, damit du immer sehen kannst, was da geschrieben steht. Fünf Buchstaben in Gold auf Weiß. Damit du immer erinnert wirst.
Weiß ich doch, sagst du. Wozu brauchst du die fünf Buchstaben auf Stein? Dich muss nichts erinnern, weil du es weißt. Weil sie immer da ist? Immer und überall ist sie da.
Schon richtig. Ich weiß das ja auch. Sie ist immer da, wie eine Brücke zwischen deiner Welt und meiner Welt. Und wenn ich es mir recht überlege, brauche ich das steinerne Herz mit den fünf Buchstaben auch nicht mehr. Ich habe doch dein Lied. Und dein Lachen. Und meine Rose.

►  Wenn wir von Liebe reden

"Da ist ein Land der Lebenden 
und da ist ein Land der Toten.
Die Brücke zwischen ihnen 
ist die Liebe ..."

(Thornton Wilder: Die Brücke von San Luis Rey)

Montag, 14. April 2014

Ruhe gibt es nicht


Wieder so ein Horrorszenario im Fernsehen. Sie mag gar nicht mehr hinschauen, doch unerbittlich dringen die Bilder mit den Nachrichten in ihr Wohnzimmer. Dort, wo Straßen waren, liegen leblose Körper im Schutt. Einer wird in einem verschmutzen Tuch zum Ambulanzwagen gebracht. Helfer im Laufschritt. Zwischen den Trümmern ein weinendes Kind. Viele sind noch verschüttet. Das hat sie doch alles selbst erlebt. Wann gibt es endlich Ruhe? Immer wieder diese Panik. Sirenengeheul, zum Bunker hetzen, das Brummen der Bombenflieger, ja noch hineinkommen, bevor die Eisentür verschlossen ist. Donnern, wieder Donnern, noch einmal und noch einmal. Der Bunker bebt, schwankt entsetzlich. Alle schreien. Wo ist Jupp? Totenstille in der Stadt. Jupp unter den Trümmern. Nein, nein, das will sie nicht. Das braucht sie nicht. Zitternd greift sie neben sich nach der Fernbedienung. Auf dem anderen Kanal sieht es nicht besser aus. Sie haben nur noch das, was sie am Körper tragen. Eine Frau kauert auf einem Trümmerfeld, wo vorher ein Haus stand. Uralte Frau. Nie mehr findet sie einen Weg, hat nicht einmal mehr Kraft für Tränen. Was heißt Interessen der Konfliktparteien, Herr Professor? Die finden doch immer Gründe. Woher haben sie die Waffen? Nein, nein, nein, das hört nie auf. 
Sie schaltet den Fernseher aus, sitzt schweigend im Sofa und starrt auf den dunklen Bildschirm. Wieder so ein schrecklicher Tag. Das geht nie vorbei. Sie will nur noch Ruhe.
Das Telefon.
Nicht jetzt.
Jetzt nicht, Verena. Ich kann nicht telefonieren, das musst du einsehen. Heute nicht. Ich weiß, du wolltest nach dem Abendessen anrufen, das hattest du versprochen, es war auch so vereinbart. Vorher hast du es nicht geschafft, musstest lange arbeiten heute. Aber ich kann nicht. Ja, ja, extra große Buchstaben und Zahlen auf den Tasten, ich weiß. Alles wunderbar zu erkennen. So einfach jetzt. Das hast du richtig fein gemacht, sag ich doch. Eine wahre Perle bist du, kümmerst dich um alles. Du meinst es so gut, keine Frage. Aber es geht wirklich nicht.
Nicht jetzt.
Nicht heute.
Ob alles in Ordnung ist? Sicher, es geht mir gut. Sehr gut sogar. Glaube mir. Wunderbar geht’s mir. Gegessen? Was für eine Frage. Klar hab ich gegessen. Ein paar Zwiebäcke. Zum Kochen hatte ich gar keine Zeit heute. Morgen wieder. Ganz gewiss mach ich das morgen. Keine Panik. Ich weiß doch selbst, dass ich essen muss. Wenn ich leben will, muss ich essen. Getrunken hab ich auch, obwohl ich eigentlich gar keinen Durst habe. Den Rest von dem roten Saft, den du mitgebracht hast, ich weiß nicht mehr wann. Nein, du musst nicht vorbeikommen. Heute nicht. Auf keinen Fall heute. Mach dir keine Sorgen. Es ist alles hier, was ich brauche. Die Medikamente kannst du mir beim nächsten Mal mitbringen, für heute reichen sie auf jeden Fall, beste Verena. Wenn ich dich nicht hätte! Wäsche? Ja, ja, Nachthemd und Schlüpfer hab ich gewaschen, wie du gesagt hast, die Sachen liegen noch in der Badewanne. Ja, das Bücken. Nein, ich schaffe das schon allein. Morgen komme ich dazu, auswringen und auf den Wäscheständer hängen. Ich muss mich ja nicht beeilen. Zeit habe ich doch genug, den ganzen langen Tag. So viel Zeit. Ich passe schon auf, dass ich nicht wieder stürze. Seniorennotruf, höre ich dich wieder sagen. So ein technisches Ding um den Hals? Ich glaub’s dir wohl. Du kannst es aber auch nicht lassen. Immer wieder fängst du davon an. So weit bin noch nicht, noch lange nicht. Ich schaffe das noch gut alleine. Sogar sehr gut, das siehst du doch selbst.
Lege den Hörer auf, Verena, heute wird das nichts mit uns am Telefon.
Soziale Kontakte? Ha, dein Lieblingsthema! Soziale Kontakte! Die Formulierung liebst du wohl über alles. Denk doch mal nach! Ist denn noch einer da von der Kegelrunde und vom Canasta? Keiner mehr. Auch in der Straße. Keiner mehr da. Das weißt du ganz genau und fragst trotzdem immer wieder. Immer wieder dieses Thema. Wo sind sie denn, die sozialen Kontakte? Alle weg. Das hast du wohl ganz vergessen. Oder du willst es nicht wahrhaben. In anderen Dingen bist du doch so helle, aber an dem Punkt bist du begriffsstutzig. Schon mal die Totenglocke gehört? Heute wieder, ich wohne ja nahe genug am Friedhof. Sensenmann hat sie alle mitgenommen. Wer weiß, wohin. Wie oft muss ich dir noch erklären, was das bedeutet? Es bedeutet, ich habe nur noch dich, Verena. Nur dich und sonst niemanden. Wir telefonieren doch jeden Tag und du kommst vorbei, wenn ich das möchte. Das reicht mir völlig. Ich habe keine Langeweile. Der Fernseher ist da doch noch. Na gut, heute gibt’s kein gescheites Programm. Das kommt schon mal vor. Am Samstag gab’s meine zwei Freunde, so schnuckelig in ihren weißen Anzügen, hab ich dir doch erzählt. Das ist Musik für’s Herz. Ja, die CD war ein schönes Geschenk, aber noch besser ist es, wenn ich diese Amigos auch sehe. Meine Freunde. Wie sie mich anlächeln, als würden sie extra für mich singen, vor allem Karl-Heinz mit der Gitarre. Demnächst bin ich wieder dabei und klatsche mit. Heute nicht. Gib’s auf, Verena. Nein, nein und nochmals nein!  Leg den Hörer auf. Zum Telefon kann ich jetzt nicht gehen. Wirklich nicht. Heute brauche ich mal Ruhe. Das musst du einsehen. Nichts als Ruhe. Endlich Ruhe. Das verstehst du doch. Ich weiß, dass du das verstehst.
Das Telefon ist still. Tante Käthe ist auf dem Klo, wird Verena denken. Später wird sie es noch einmal versuchen. Das kann eine Weile dauern, Verena ist hartnäckig. Doch Käthe wird auch später nicht telefonieren. Heute will sie nur noch ins Bett.
Sie versucht auf die Beine zu kommen, sackt aber immer wieder zurück in ihre Sofasitzkuhle, müsste dringend höher sitzen, damit sie von ihrem Fernsehplatz besser aufstehen kann. Ein Kissen auf dem Sofa wäre gut, so eins von diesen Keilkissen. Verena hat das schon vor Wochen vorgeschlagen, gestern erst wieder am Telefon. Sie hat sogar schon eins besorgt und wollte es eigentlich heute vorbeibringen, zusammen mit dem Toilettensitz, damit auch da das Hochkommen einfacher wird. Doch heute geht das auf gar keinen Fall. In ein paar Tagen vielleicht. Irgendwann einmal. Nicht heute. So wichtig ist das nicht.
Immer dieses Zittern.
Gestützt auf den Stock schleppt sie sich in die Küche. Die Beine machen nicht mehr mit, sie gehorchen einfach nicht. Ihre Nervchen, hat der Doktor gesagt. Was ist nur mit ihren Nervchen? Beruhigung braucht sie, ihre Pillen, damit endlich dieses Zittern aufhört.
Am Spülbecken füllt sie das Wasserglas. Dann einige Schritte zum Schrank. Die kleinen weißen Dinger. Wenn sie die nicht hätte. Ein paar Tage reichen sie noch. Dann bringt Verena neue aus der Apotheke. Liebste Verena. Was würde sie nur tun ohne ihre Nichte? Schrecklich wäre das. Überhaupt kein Leben. Für dieses Goldstück kann sie ihrer Schwester noch immer dankbar sein. Kein Wunder, dass sie immer so stolz war auf dieses Kind, allen Grund hatte sie dazu. Ein wunderbares Kind. Auch ihr Kind. Das Kind von Grete und Käthe. Zwei Frauen, ein Kind und keine Männer. Jupp unter Trümmern, Rudi nie mehr wieder gekommen. Irgendwo verscharrt, in Merefa. Heldentod im Süden der Ostfront. Ein Pfundskerl war Rudi. Verena ist ihm so ähnlich. Der verflixte Plastikrand. Warum steckt der Deckel immer so fest? Die Dinger rappeln im Glas und sie kommt nicht ran. Gottlob noch so viele darin.
Dieses verdammte Zittern.
Nicht nervös werden. Mit den Fingernägeln geht’s vielleicht. Warum hat sie den Verschluss nur so fest hineingedrückt gestern? Sie braucht doch diese verdammten Dinger, muss es schaffen. Unbedingt. Dabei auch noch den lästigen Stock festhalten, damit er nicht umkippt, auf die Fliesen fällt und sie dann stolpert, wenn sie ihn aufheben will, alles versucht, das aber trotzdem nicht schafft, vielleicht sogar das Übergewicht kriegt und dann wieder auf dem Küchenboden liegt, hilflos wie ein Käfer auf dem Rücken, so lange, bis ihr nach vielen Stunden jemand helfen kann. Vielleicht.
Nein, das darf nicht passieren. Wie sie dieses lange Ding hasst! Sie lehnt vorsichtig den Knauf gegen eine Schrankschublade, an eine Stelle, wo sie ein wenig offen steht, das gibt Halt, will das sperrige Teil mit den Beinen fixieren. Kaum möglich mit ihren Zitterknien. Was für ein Elend mit den Beinen.
Wie soll das nur noch weiter gehen?
Demnächst sollte sie doch den Gehwagen benutzen. Sie wollte ihn eigentlich gar nicht in der Wohnung haben. Verena hat ihn trotzdem mitgebracht. Geschimpft hat sie mit ihrer Nichte, doch die war hartnäckig, hat ihn nicht wieder mitgenommen, sondern in die dunkle Ecke im Flur gestellt. So hartnäckig. Jetzt wäre er eine richtige Hilfe. Sie müsste ihn nicht die ganze Zeit festhalten wie den kippeligen Miststock oder mühsam irgendwo anlehnen, würde einfach die Bremse feststellen, damit er nicht wegrollt, könnte sogar im Korb etwas ablegen und sich jetzt kurz auf den schwarzen Steg setzen und alles in Ruhe machen. Und sie könnte endlich mal wieder eine Runde mit Verena spazieren gehen ohne Angst hinzufallen. Sorry, Verena, du hast recht gehabt. Vielleicht sollte ich über deine Idee mit dem Seniorennotruf auch mal nachdenken. Verzeih mir, du liebes hartnäckiges Kind. Es dauert manchmal sehr lange, bis ich etwas einsehe. Halsstarrig war ich schon immer, das hat deine Mutter auch immer geärgert. Es ist noch schlimmer geworden mit mir. Da bist du doch richtig geduldig. Dabei bist du auch nicht mehr die Jüngste. Ich sollte doch langsam vernünftiger werden. Sie ruckelt und zerrt am Verschlussdeckel, so kräftig, dass sie Angst hat, der wertvolle Schatz würde auf den Boden fallen. Ja nicht! Die Katastrophe wäre das. Der Deckel gibt nach. Endlich! Alles gut gegangen. Nur die Ruhe. Sie schüttet sich ein paar von den weißen Pillen in die zittrige Hand. Heute nimmt sie mal wieder zwei oder drei, oder auch mehr. Wunderbar!


Kurzgeschichte aus: Wenn wir von Liebe reden

Foto: Renate Hupfeld am 13. April 2014 Bombentrichter in den Lippewiesen westlich der Bahnlinie im Hammer Norden

22. April 1944 und die Bombentrichter in Hamm


Samstag, 18. Januar 2014

Eispalast


Da stand sie nun zwischen Felsriesen und Gletscherspalten und einer Sicht gleich Null. Nicht einmal den Liftmann konnte sie erkennen, der ihr sonst immer beim Ausstieg geholfen und den kleinen Wildfang einen Moment lang am Arm gehalten hatte. Jetzt hielt sie das Kind an der Hand, es schaute zu ihr hoch, nichts mehr von Schalk in seinen blauen Augen, die sie sonst immer unternehmungslustig anblitzten. Da war nur Angst in seinem Blick. Warum hatte sie ihm nur wieder nachgegeben und war noch einmal hoch gefahren in dieser Panoramabahn, die im Moment alles andere als Panoramen bot? Hätte sie sich nicht denken können, dass sich um die späte Nachmittagszeit in diesen Höhen schnell etwas zusammenbraute? Da war aber wirklich nichts mehr zu sehen. So ein Mist, ein richtiger Nebelmist. Sollte der Vater denn wieder recht behalten? War sie zu nachgiebig? Deine Erziehung, hörte sie ihn sagen. Du kannst dich nicht durchsetzen, der Junge tanzt dir auf dem Kopf herum bei ihm wäre er besser aufgehoben.
Ja, ja, ja.
Ja, das hatte sie sich selbst eingebrockt und musste nun zusehen, wie sie das Söhnchen heil die Piste hinunter bekam. Ruhe bewahren, sagte sie sich, obwohl ihre Knie zitterten.
„Mama, wo sind wir?“
„Auf der Piste, Nikki.“
„Wo ist die Piste, Mama?“
„Gute Frage. Wir stehen darauf aber wir sehen sie nicht, weil sie in einer Wolke verschwunden ist.“
„Wolken sehen aber anders aus.“
„Nikki, wir sind jetzt mitten drin in der Wolke und das nennt man Nebel.“
„Nebel kenn ich doch. Okay, und jetzt?“
„Skier an die Füße, Stöcke in die Hand und runter fahren.“
„Ich seh nix.“
„Ich auch nicht. Bleib einfach ganz dicht hinter mir.“
„Mach ich.“
Langsam fuhr sie los, Pflugbogen um Pflugbogen und hörte, wie Nikki hinter ihr mit seinen kleinen Skiern Kurve für Kurve den Schnee weg schob. Das lief ja gut. Keine Diskussion mehr. Wenn es drauf ankam, konnte sie sich auf ihren kleinen Wildfang verlassen.  
„Guck mal, Mama, da hinten ist ein Haus mit ganz viel Schnee drauf“, rief er plötzlich.
„Ein Felsen ist das, da müssen wir höllisch aufpassen, damit wir nicht zu nahe herankommen“, rief sie zurück und in dem Moment, als sie sich umdrehte, zog es ihr die Beine weg. Wie in Watte rutschte sie in den weichen Schnee, rutschte und rutschte in diesem endlosen Weiß, glaubte zu schweben, bis ein Schleier ihr Gesicht streifte. Sie öffnete die Augen. Undurchdringliche Dunkelheit umgab sie, schnürte sie ein. Sie riss die Augen weit auf. Was war geschehen? Jedenfalls stand sie auf ihren Beinen. Sie wollte schreien. Doch es war so still. Wo war sie? Wo war Zurück? Bewegen? Wohin? Auf zittrigen Beinen stand sie, geduckt, als könnte sie an etwas Hartes stoßen, horchte. Nichts. Vorsichtig richtete sie den Oberkörper auf.  Beim Kopfdrehen spürte sie einen leichten Luftzug. Schwankte sie? Ha! Was berührte sie da? Sie wollte sich wehren. Doch wie? Gegen wen? Ein Hauch. Etwas Leichtes auf ihrer linken Schulter. Sie tastete danach. Ein Wesen. Ein Mensch. Eine Hand fühlte sie. Nie war eine Hand so warm. Einen Moment lang spürte sie Erleichterung und hielt die Hand fest umklammert.
„Ich sehe nichts. Wer bist du?“
„Ich bin Lilian.“
„Hier ist es so dunkel, ich will zurück.“
„Es gibt kein Zurück, Phillis. An die Dunkelheit wirst du dich gewöhnen. Ich zeige dir den Weg hinein in diesen wunderbaren Palast.“
Mühsam setzte Phillis den Fuß vor und bewegte sich Schritt für Schritt tastend in der Finsternis, Lilians Hand immer noch fest umklammert.
„Wo bin ich?“
„Beim großen Gangano.“
„Gangano?“
„Der berühmte Prinz der Lüfte, Herr über den Eispalast.“
„Und mein Kind?“
„Nikolas ist bei Ganganos Söhnen. Er ist jetzt ein Luftprinz wie sie.“
„Wie sind wir hierher gekommen?“
„Dein Kind hat das Zeichen in den Augen. Alle Jungen mit dem blauen Zeichen kommen in den Palast des großen Gangano.“
Am Horizont war ein bläulicher Schimmer zu sehen. Hatten sie die Dunkelheit überwunden? Phillis schaute nach links und sah in Lilians junges Gesicht. Nie war ein Lächeln so tröstlich. Langsam näherten sie sich dem blauen Licht. 
„Da sind Ganganos Söhne.“
Phillis schaute in einen Raum, von unten her blau beleuchtet. Es mochten wohl mehr als zehn kleine Jungen sein, die da bewegungslos saßen. Leuchtend blaue Augen in fahlweißen Gesichtern. Dunstschwaden verbreiteten einen süßlichen Geruch.
„Nikki“, rief Phillis, als sie ihr Kind erblickte.
„Mama, ich fliege.“
Dann verschwamm sein Gesicht hinter ihren Tränen und sie wurde weiter gezogen.
„Lass ihn, er gehört jetzt zu ihnen.“
Lilian brachte sie in einen weiteren Raum, auch dieser schwachblau von unten beleuchtet.
„Dies ist das Reich der Frauen. Hier wirst du wohnen, wie alle Mütter der Jungen. Sie feiern und bewundern den großen Meister, ihre einzige Aufgabe.“
Ein blaues Gewand schwebte herunter, direkt auf Phillis zu.
„Nimm es. Das bedeutet, der Meister hat dich gerufen und will dich sehen. Bereite dich auf die große Inszenierung vor. Zieh das Kleid über, dann gehen wir los. Komm, ich helfe dir.“
Lilian streifte ihr das Kleid über und nahm sie an die Hand.
„Halt, eine Frage noch, Lilian.“
Sie blieben stehen.
„Wie komme ich zurück in meine Welt?“
„Es gibt keine andere Welt. Niemand kann den Ring der Finsternis überwinden. Alle, die es bisher versucht haben, sind im Kreis gelaufen. Wenn sie Glück hatten, wurden sie von den weißen Elfen eingefangen und zurück gebracht. Die meisten wurden jedoch nie mehr gesehen.“
Kein Zurück? Das konnte sie nicht glauben. Sie war hierher gekommen und sie würde auch wieder hinaus kommen. Ehe sie den Gedanken zu Ende dachte, befanden sie sich im riesigen Rund einer Halle, angeordnet wie eine Arena, nur umgekehrt. In der Mitte führten unzählige Treppenstufen hinauf in schwindelnde Höhen. Über einer Bühne wölbte sich eine weiße Kuppel mit unendlichen Ausmaßen. Auf der obersten Treppenstufe lagerte eine Gruppe kleiner Jungen. Die Kinder kauerten zusammen und schienen zu schlafen. Phillis meinte Nikolas unter ihnen zu entdecken. Sie wollte zu ihm gehen, doch Lilian hielt sie zurück.
„Lass ihn, Phillis, er gehört jetzt ihm und du gehörst hierher, in die Schar seiner Bewunderinnen.“
Nein, nein, nein, dachte Phillis. Sie schaute nach links und nach rechts. Frauen in blauen Gewändern hatten sich vor den Stufen versammelt und blickten unentwegt nach oben, wo Elfen mit weißen Masken hoch in den Lüften schwebten.
Als eine dröhnende Stimme ertönte, bebte der Eispalast.
„Jetzt kommt der große Gangano.“
Eine Weile war es ganz still. Dann schwebte ein riesiger Mann mit weißem Umhang herein und schritt auf die Bühne. Phillis spürte einen eisigen Hauch, als er hinunter schaute und sein Blick zuerst über die Gruppe der Jungen, dann über die Schar seiner Bewunderinnen hinweg wanderte.
„Der große Gangano, Herr über die Lüfte“, dröhnte es wieder.
Weiße Tänzer wirbelten um das Eismonster herum und verneigten sich immer wieder. Klirrende Töne sprangen durch die Luft wie kleine Blitze. Gangano bewegte sich zuckend und begann einen Tanz, so wild, dass der gesamte Eispalast vibrierte.
„Der große Gangano, gefeiert und bewundert“, hallte es unter der Kuppel. „Gefeiert und bewundert.“
Die Frauen fielen auf die Knie, auch Lilian. Gefeiert und bewundert? Nicht von allen. Phillis blieb stehen und schaute in das Gesicht des eisigen Riesen, fixierte seine blauen Augen. Seine Verachtung traf sie wie tausend kleine Eiszapfen. Sie wollte zurückweichen, nahm aber allen Mut zusammen und blickte das Eismonster unentwegt an, obwohl sein eiskalter Blick schrecklich schmerzte. Es gelang ihr sogar, ein Zucken der Augenlider zu unterdrücken. Gangano erstarrte. Klirrend zerschellte sein weißer Umgang, ein Haufen Eisscherben lag zu seinen Füßen. Wie klein er plötzlich war, als er nackt da stand. Eine winzige Figur auf der großen Bühne unter der gewaltigen Kuppel. Dann war er ganz verschwunden. Die weißen Tänzer schwirrten noch eine Weile wild durcheinander und verschwanden einer nach dem anderen. Auch Lilian und die anderen Frauen waren nicht mehr zu sehen.
Phillis stand allein am Fuße der Treppe und wartete noch einen Moment in der atemlosen Stille. Als nichts mehr passierte, ging sie unzählig viele Stufen hoch, bis sie endlich oben bei den Jungen ankam. Nikolas lag mitten unter ihnen. Sie beugte sich zu ihm hinunter und küsste ihn auf die Stirn. In dem Moment schlug er die Augen auf und lächelte sie an.
„Mama.“
„Das Eismonster ist besiegt, Nikki. Wir müssen hinaus. Bleib schön dicht bei mir.“
Stufe für Stufe stiegen sie hinunter und verließen die Halle durch einen bogenförmigen Ausgang. Auch hier war niemand zu sehen. Es zog sie in einen Gang, bläulich beleuchtet. Außer dem leisen Scharren ihrer Füße war nichts zu hören. Plötzlich streifte ein schwarzer Schleier ihr Gesicht und im gleichen Moment umgab sie undurchdringliche Schwärze. Wo war oben und unten? Sie stand nicht mehr auf ihren Beinen, konnte sich nicht halten, rutschte endlos lange, bis sie liegen blieb.
„Nikki, wo bist du?“
„Hier bin ich, Mama“, hörte sie aus der Ferne. Dann ganz aus der Nähe: „Ist alles in Ordnung bei dir, Mama?“
„Ich glaub schon.“
„Steh auf, ich helfe dir.“
Er hielt ihr seine kleine Hand hin und zog mit aller Kraft, bis sie sich endlich aufgerappelt hatte.
„Ich hab nichts mehr gesehen“, sagte sie.
„Da hat’s dich geschmissen, direkt vor dem Felsen, schau dort. Ich bin hinter dir hergeflitzt und weiß, wo deine Skier sind, hab’s genau gesehen.“
Er klickte seine Schuhe aus der Bindung und stapfte durch den tiefen Schnee. Dann buddelte er ihre Bretter eins nach dem anderen aus und stellte sie nebeneinander, damit sie besser einsteigen konnte.
„Warte mal, heb mal die Beine an“, sagte er noch und klopfte mit seinen Skistöcken Schnee- und Eisklumpen unter ihren Skischuhen ab, erst beim einen, dann beim anderen, wie sie es sonst immer bei ihm tat. „Es ist nicht mehr so neblig. Schau, da drüben ist eine Spur. Da ist gerade ein Snowboarder lang gefahren. Die Spur nehmen wir, Mama. Zuerst fahre ich ein Stück vorweg, dann du, immer abwechselnd.“
„Es war ein Fehler, noch einmal mit dir die Panoramabahn hoch zu fahren, Nikki, das war sehr unvernünftig.“
„Mama, ich wollte es doch unbedingt. Und unten war das Wetter doch noch ganz schön. Konnten wir wissen, dass man oben nichts mehr sieht? Du hattest mir doch gesagt, ich soll immer ganz dicht hinter dir bleiben. Und das hab ich gemacht.“
„Ja, das hast du, obwohl du doch beim Hochfahren in der Gondel gar nicht abwarten konntest, bis du hinuntersausen konntest. Ich konnte mich voll auf dich verlassen. Aber der Nebel wurde doch zu stark.“
„Und da ist es auch dir mal passiert, Mama. Ist doch alles gut gegangen. Ich hab auf dich aufgepasst. Du passt doch auch immer auf mich auf und hilfst mir, wenn’s mich in den Schnee schmeißt.“
„Hast ja Recht, mein Söhnchen. Komm, lass dich drücken.“ Sie zog den kleinen Kerl an sich und gab ihm einen Kuss. „Wir müssen los, bevor es noch dunkel wird. Ich bin bereit zur Abfahrt. Steig ein, doch warte, deine Skischuhe.“ Jetzt klopfte sie ihm Schnee und Eis ab und er stieg in die Bindung. „So, nun zeig mir den Weg, du Großer.“
„Alles klar, Chef“, rief er noch, bevor er seine kleinen Skier in die Snowboardspur lenkte.


Foto © Renate Hupfeld






Samstag, 21. Dezember 2013

Folgt dem Stern


Vor mehr als zweitausend Jahren herrschte Kaiser Augustus in Palästina. Eines Tages befahl er, dass sein Volk gezählt würde. Alle Einwohner des Landes mussten in die Stadt kommen, in der sie geboren waren.
Auch ein Mann namens Josef folgte diesem Befehl des Kaisers. Zusammen mit seiner Frau Maria, die hochschwanger war, wanderte er den langen Weg von Nazareth nach Bethlehem.
Als die beiden dort angekommen waren, kündigte sich die Geburt an. Sie suchten eine Herberge. Nichts zu machen. In Betlehem gab es kein freies Zimmer. Endlich fanden sie Schutz in einem Stall bei den Tieren.
In dieser Nacht brachte Maria einen prächtigen Jungen zur Welt. Vater und Mutter wickelten das Kind in Windeln, legten es in eine Futterkrippe und deckten es warm zu.
Genau zu der Zeit waren Hirten bei ihren Tieren auf dem Feld, als plötzlich ein ganz helles Licht am Himmel aufleuchtete. Die Männer bekamen große Angst und hätten sich am liebsten versteckt. Doch wo? Da war keine Hütte, nicht einmal ein Strauch, nichts, nur Feld.
„Fürchtet euch nicht“, sagte eine Stimme.
Sie schauten hoch. Am Nachthimmel schwebte plötzlich eine seltsame Erscheinung.
„Ich verkündige euch eine große Freude. Ganz in der Nähe wurde heute Nacht ein Kind geboren, ein besonderes Kind. Es wird euch befreien von allem Übel und Frieden bringen.“
Dann war alles wie vorher.
„Was war das?“, fragte einer.
„Ein Engel war das. Irgendwas Außergewöhnliches muss passiert sein. Schaut dort der Stern“, sagte Johannes, der Älteste der Hirtengruppe.
„Vorhin war der noch nicht da.“
„Stimmt. Über Betlehem steht er.“
„Lass uns hingehen und schauen, was es mit dem Versprechen des Engels auf sich hat.“
„Was könnten wir besser gebrauchen als Freude und Frieden?“
„Kommt Leute, wir wandern zu dem Stern“, sagte Johannes.
Da machten sich die fünf Hirten auf den Weg. Johannes ging voran. Der Stern stand über einem Stall auf einer Wiese. Vorsichtig öffneten sie die schwere Holztür und tatsächlich. Dort lag das kräftige Neugeborene in einer Krippe, rechts und links die glücklichen Eltern. Ein Bild der Freude und des Friedens. Hatte der Engel doch Recht gehabt.
„Wir kommen, um eurem Kinde unsere guten Wünsche zu bringen. Es steht unter einem ganz besonderen Stern. Dürfen wir es anschauen?“ fragte Johannes.
Die Eltern nickten und die Männer gingen zur Krippe. Sie konnten gar nicht aufhören den Kleinen anzusehen.
„Wirklich, ein ganz besonderes Kind. Es ist, als ginge ein Leuchten von seinem Gesicht aus.“
 Voller Stolz schaute der Vater auf seinen Sohn und die Mutter lächelte glücklich.
„Er wird uns allen große Freude und Frieden bringen, so wurde uns versprochen.“
Nachdem die Hirten das Kind lange genug betrachtet hatten, legte jeder von dem wenigen, das er besaß, ein kleines Geschenk neben die Krippe, ein Halstuch, ein Stückchen Brot, eine Mütze, einen kleinen Krug mit Wein und Johannes legte seinen Hirtenstab dazu. Dann gingen sie hinaus in die Nacht. 


Mittwoch, 30. Oktober 2013

Grablichterblues


Auf dem Weg über den Parkplatz flatterten mir die Blätter um die Beine, schön bunt, doch gar nicht lustig, verbesserten meine Laune keinesfalls. Die war nämlich grauer als grau. Dunkelstgrau. Der Blues. Ja, das war er, ließ sich nicht abschütteln. Andere hatten wenigstens um diese Jahreszeit einen Dämon, ich hatte nur diesen Blues in allen möglichen Facetten, musste jetzt womöglich wieder wochenlang mit ihm herumlaufen, mal dem Wetter-Geht-Mir-Auf-Den-Keks-Blues, dann dem Ist-alles-nicht-mehr-wie-früher-Blues und eben in diesem Moment mit dem Erinnere-mich-nicht-an-den-Tanz-Blues. Niemandem hatte ich die Gruselstory erzählt, mir würde sie ohnehin niemand glauben. Wie ich nur so dusselig sein konnte und dieser Ausgeburt von Raffinesse auf den Leim gehen, der Frau, die überhaupt nicht tanzen konnte und wie ein hölzernes Gerät über die Fläche geschoben, gezogen und gezerrt werden musste, selbst beim allereinfachsten Blues. Dieses Tanzgerät entpuppte sich als hinterlistiges Miststück, wollte mir weismachen, mich aus einem früheren Leben zu kennen, erzählte mir was von einem weißen Schimmel, den ich abends unter einer Weide am Fluss abgeholt hätte und auf dem ich fortgeritten wäre und behauptete, am Ende der Straße zu wohnen. Dort war jedoch kein Haus, wie ich eigentlich hätte wissen müssen, ich Depp. Und mir war es noch immer ein Rätsel, mit welchen Mitteln sie es geschafft hatte, mich an der Nase herumzuführen. Also, am Ende der Straße war nämlich der Friedhof. Dahin hatte sie mich gelockt, mitten in der Nacht. Naiv, wie ich war, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, auf das Gräberfeld zu schleichen, natürlich bei Vollmond, versteht sich. Über der Leichenhalle stand der und warf einen riesigen Schatten auf den Weg zwischen den Bäumen. Und da! Ich traute meinen Augen nicht. Vor dem Portal wartete schon ebendiese Bluestanzfrau auf mich, fixierte mich mit saugendem blauem Blick und schwebte auf mich zu. Wahnsinnig verlockend sah sie aus in dem sachte wehenden, silbrigglänzenden Gewand. Ihr Lächeln war hinreißend.
„Da bist du ja endlich“, flüsterte sie. „Wie ich mich nach dir gesehnt habe!“
Ein kalter Hauch berührte mich, als sie die Hände nach mir ausstreckte.
„Warum bist du hier?“, stotterte ich.
„Deinetwegen.“
Ich verstand nichts mehr.
„Von weit her bin ich gekommen.“
„Aber wir haben doch gerade erst miteinander ...“
„Ja, ja“, hauchte sie. „Es war so schön.“
„Ich verstehe nicht.“
„Lass uns fliegen.“
„Wie das denn?“
Mir wurde schwummerig. Wäre ich doch niemals hierher gekommen, auf diesen Gottesacker!
„Fliegen. Nur wir zwei“, fuhr sie fort.
„Du bist doch tot, sonst könntest du nicht … sonst wärest du nicht hier.“
Oder doch? Mich schauderte. Ich wollte weglaufen, kam aber nicht von der Stelle.
„Ich sehne mich nach deiner Wärme.“
Ganz leise war ihre Stimme.
„Umarme mich.“
Ich ging einen Schritt zurück.
„Drück mich an deinen Körper, bitte“, flehte sie und kam näher.
„Ich kann nicht.“
„Doch, du kannst.“
„Lass mich gehen!“, wehrte ich ab.
„Warum willst du vor mir fliehen?“
„Ich bin noch nicht so weit.“
„Begreife doch, mein Liebling.“
„Was soll ich begreifen?“
„Ich will dich nicht hinüberziehen. Du kommst freiwillig.“
„Nein, es geht nicht.“
„Wir werden glücklich sein.“
„Nein!“
„Lieben will ich dich, damit du nicht mehr traurig bist.“
„Was meinst du?“
„Nur ab und zu. Dann bin ich auch nicht mehr traurig.“
„Nein, nein. Ich muss jetzt gehen.“
Ich tastete mich rückwärts. Voller Sehnsucht sah sie mich an, folgte mir mit ausgestreckten Armen und ihrem unwiderstehlichen Lächeln. Je schneller ich mich fortbewegte, desto näher kam sie. Ich wagte nicht, mich wegzudrehen und ging Schritt für Schritt weiter, so schnell ich konnte, bis mein pochender Schädel an etwas Hartes stieß.
Das Friedhofstor.
Das verdammte Weib aus jener Sommernacht verfolgt mich doch noch immer, dachte ich.
Dabei kannte ich die Bluestanzfrau inzwischen ganz anders. Vom Esoteriktrip hatte ich sie heruntergeholt und sie hatte mir beigebracht, wie ich auch mit einer unbegabten Tänzerin Blues tanzen konnte.
Ich ging durch die Blätterallee, den Weg zwischen den Gräberreihen, den meine Beine schon fast automatisch machten, mit oder ohne die gelbe Gießkanne, denn gelb mochte sie, die üblichen grünen lehnte sie ab. Heute bei dem useligen Wetter also ohne Gießkanne. Am Wasserbecken vorbei nach links, drei Gräber weiter, dann wieder nach links zum weißen Marmorgrabstein mit dem Bild, oval gerahmt, wie sie es gewünscht hatte, nach ihren Vorgaben über dem dunkelgrauen Schriftzug platziert. Ja, die weißhaarige Frau da auf dem Foto war sie, wie sie leibte und lebte, hatte ja nur noch mich, ihren Augenstern, so nannte sie mich oft, das Beste, was ihr in ihrem Leben passieren konnte, das Allerbeste, ihr Eins und Alles. Ihr Lächeln sollte mir erhalten bleiben, ein Lächeln, das nie vergehen würde. Nur für mich. Unwiderstehlich.
„Wie läufst du denn wieder herum, Junge? Ohne Jacke. Du wirst dich erkälten. Zieh dich beim nächsten Mal warm an. Denk auch an den Schal. Du weißt doch, die kalte Jahreszeit hat’s in sich.“
„Ja, Mama.“
„Und deine Haare. Wie das aussieht! Geh mal wieder zum Frisör.“
„Jaha.“
„Gegessen hast du auch noch nichts. Ich sehe es dir doch an. Wie oft muss ich dir das noch sagen? Du treibst Raubbau mit deiner Gesundheit. Kein Gramm zugenommen hast du seit dem letzten Mal, eher sogar abgenommen, so blass, wie du wieder bist. Wann wirst du endlich erwachsen?“
Ich hatte ausgiebig gefrühstückt, mit Lachs, Käse, Schinken, Gürkchen, Tomaten, Radieschen und einem traumhaften Müsli. Nicht allein. Und das würde ich jetzt immer so machen. Immer so, wie ich das wollte. Genau so. Doch das musste ich ihr ja nicht erzählen.
„Schau, Mama, heute zünde ich drei Kerzen für dich an, damit du dich freust, okay?“
Sie blieb stumm.
„Dann bis zum nächsten Mal, Mama.“
Auf dem Weg zum Auto wurde der Grablichterblues in meinem Kopf immer leiser, bis er gar nicht mehr zu hören war.

Text und Foto © Renate Hupfeld

Kurzgeschichte aus dem E-Book: Hammfiction


Freitag, 25. Oktober 2013

Trollbusters


Auf der dicken Fußmatte klopfte ich mir den Schnee von den Schuhen, bevor ich hineinging. Angenehm, die warme Luft in dem kleinen Raum. Weniger angenehm, dass ich im selben Moment nichts mehr sah. Brille abnehmen, nach einem Taschentuch nesteln und kein sauberes finden, immer das Gleiche bei dem Wetter. Tastend ging ich die paar Schritte zur Theke. 
„Mann, Kläusken, da bisse ja mal wieder.“
Ich setzte die Brille auf, rückte sie mir aber gleich auf die Nase und schaute über den Rand.
„Siggi, alter Kumpel. Ein Mist ist das, wenn man halbblind ist.“
„Wat musse viel sehen? Hier sitzen doch nur die, die hier immer sitzen. Komm, trink einen mit.“
Er schob mir einen Barhocker unter den Hintern.
„Jimmy, mach noch mal zwei, Kläusken wird wohl auch Durst haben.“
Der Wirt nahm das leere Glas und stellte zwei neue unter den Zapfhahn.
„Na, wat gibt et Neues?“
„Zwanzig Jahre Psychiatrie. Da bist du versaut, sag ich dir.“
„Versaut?“
„Ja, für jede normale Kommunikation.“
„Wie meinze dat denn jetz?“
„Ganz einfach. Nichts ist mehr normal. Überall siehst du Gespenster.“
„Dat passiert schon mal. Muss ich dat verstehen?“
„Ich bin da doch in einer Gruppe.“
„Ach, deswegen bisse nicht mehr so oft hier inne Kneipe.“
„Nein, nein, das hat einen anderen Grund.“
„Welchen denn?“
„Ich hatte oft Nachtdienst in der letzten Zeit. Die öffentlichen Kassen sind leer und es wird immer enger mit Personal.“
„Ja, ja, die Klapse wird auch immer voller. Kuckse dir doch an überall. Dat hälze doch im Kopp nich aus. Unsereiner is am Malochen und die lungern inne Sitti rum. Wo dat noch hinführn soll.“
„Überall wird gespart, du kennst das ja auch.“
„Sach ich doch. Bei uns isset nich anders. Immer mehr Grünanlagen, aber nich mehr Leute. Immer dat Gleiche. Welche Gruppe meinze denn?“
„Gruppe? Ach so! Hab ich dir doch mal erzählt, die im Internet.“
„Mit diese Hobbyschreiber?“
„So nenn ich die zwar nicht, aber genau die meine ich.“
„Da bisse doch schon ganz lange.“
„Einige Jahre.“
„Und wat is da so Versautes jetz?“
„Die Kommunikation. Völlig aus dem Ruder gelaufen.“
„Aha.“
„Aber das verstehst du sowieso nicht. Musst du auch nicht.“
„Meinze, nur weil ich nich son studierter Heini bin wie du?“
„Ach komm, lass stecken.“
„Nee, nee, Klaus, lass ich nich stecken.“ Er drückte mir das nasse Glas in die Hand. „Hier, sauf dein Bier, dat hat noch keinem geschadet. Auf unsere, wie sagst du so schön?“
„Kommunikation.“
„Genau. Prösterchen. Jetz musse mir nur noch erzählen, wat versaut is, dann bin ich schon ruhich.“
„Eigentlich ist nur einer versaut.“
„Wer is dat?“
„Der Troll.“
„Troll?“
„Kennst du nicht, was?“
„Doch, der steht bei uns im Badezimmer, splitternackt, lange grüne Stehhaare und grinst mich immer an, wenn ich untere Dusche stehe.“
„Scherzkeks.“
„Kein Scherzkeks. Als der Kleine noch klein war, hat er ihn immer mit inne Badewanne genommen, gewaschen, gekämmt und gestreichelt. Jetz steht er immer noch aufem Wannenrand, Perlenkette in blaugelb ummen Hals.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Doch den meinze nich, wat?“
„Ich befürchte fast, du verstehst das gar nicht“, sagte ich.
„Jetz hasse mich neugierig gemacht. Also los.“
„Wenn du deinem Troll noch richtig dick Glibber in seine grünen Haare schmierst, kommen wir der Sache schon ein wenig näher.“
„Aaaah, so is dat.“
„Wie soll ich dir das erklären? Der grüne Glibber ist nur symbolisch gemeint.“
„So, so.“
„Der Troll, den ich meine, den gibt’s eigentlich gar nicht“, fuhr ich fort. „Und schon gar nicht im Badezimmer. Da würde ich ihn nämlich ins Klo schmeißen und so lange die Spülung drücken, bis er mit seinem grünen Glibber weggegurgelt ist.“
„Kuck, so.“ Er trank sein Glas leer.
„Na, so ähnlich. Nimmst du noch eins?“, fragte ich.
„Klar, Mann.“
Ich stellte dem Wirt die leeren Gläser hin und gab ihm ein Zeichen.
„Von Gespenster hasse vorhin gesprochen“, sagte Siggi.
„Fiese Gespenster, ganz fies. Der Troll, von dem ich rede, ist ein Störenfried. Er beschimpft die Leute auf das Übelste und zieht alle und alles in den Dreck. Mir wird schlecht, wenn ich nur an die Gülle denke, die der verbreitet. Der hat nur eins im Sinn.“
„Und wat?“
„Unfrieden stiften. Man ärgert sich, will ihn wegkicken, kriegt ihn aber nicht zu fassen.“
„Und wieso nich?“
„Weil er unsichtbar ist, Mann.“
„Und was rechste dich dann auf?“
„Ach, es hat keinen Zweck. Warum hab ich mit diesem Scheißthema überhaupt angefangen?“
„Weil de dich geärgert has.“
„Und ich ärgere mich immer noch. Was machst du mit einem unsichtbaren Querschläger? Und das auch noch im Internet?“
„Mit Internet und son Kram hab ich nix am Hut. Da fällt mir auch gar nix zu ein.“
„Sag ich doch.“
Ich schob ihm das frische Bier hin. „Prost dann. Und lassen wir das Thema.“
„Hach, dat schmeckt doch, musse zugeben.“
Ich schwieg.
„Wat starrste so vor dich hin? Is wat mit’m Bier?“
„Nein, nein, das Bier ist in Ordnung. Ich frage mich mich nur, was jemanden dazu bringt, andere in den Dreck zu ziehen. Was will der damit erreichen?“
„Du, et gibt Leute, denen geht’s nur gut, wennse andern eins auswischen können. Die wollen, dat es andern schlecht geht.“
„Meinst du?“
„Mein ich. Die änderste nich. Eher ärgerste dich kaputt. Und eins kannze ganz sicher sein: Wer so wat macht, is’n feiges Arschloch.“
Ich prustete los.
„Is doch wahr“, prustete er mit. „Ich sach, wie et is. Wat machset dir auch immer so schwer? Bleib da wech und komm wieder öfter hier annen Tresen. Da fällt uns dann schon wat ein.“
„Wegbleiben kann ich mir nicht vorstellen, schon allein wegen meiner Freunde in der Gruppe“, sagte ich. „Aber gerade ist mir schon was eingefallen.“
„Na siehse. Am Tresen kommen einem immer die besten Gedanken. Sach wat.“
„Ich werde den Mist, den dieses feige Arschloch verbreitet, gar nicht mehr lesen. Da komm ich lieber auf ein Bier in die Kneipe. Das bringt mir keinen Ärger und hebt die Laune enorm.“
„Mein ich doch.“
„Mir ist jetzt richtig warm geworden, Siggi. Doch ich muss los, wieder hinaus in die Kälte. Die Pflicht ruft. War schön mit dir, du altes Haus. Danke und bis demnächst dann.“
Ich schob den Barhocker unter den Tresen und rückte die Brille zurecht. Endlich wieder klar sehen.
„Jau, Kläusken, bis die Tage. Und eins lass dir auch noch gesacht sein. Von wegen versaut. Wer so wat nötig hat, der is ne ganz arme Sau.“

Text und Foto © Renate Hupfeld

Kurzgeschichte aus dem E-Book: Hammfiction


Donnerstag, 17. Oktober 2013

Wie die High Heels ihren großen Auftritt verpassten


Facebook scheint zu wissen, dass ich ein Faible für Schuhe habe. Wenn ich die Seite öffne, bekomme ich die übliche Reihe Werbebuttons. Schuhe sind immer dabei. Alle anderen nerven mich tierisch, nicht so die für Schuhe. Da muss ich immer hinschauen, hin und wieder die Label anklicken, die Teile von allen Seiten betrachten und auch mal zulangen.
Vor ein paar Tagen war da plötzlich ein Exemplar, dessen Button ich gar nicht wieder schließen wollte. Bild von einer High Heel Stiefelette. Nicht irgendeine, nein, die schönste der Welt, schwarzes Wildleder, weinrotes Futter, Zierkettchen und Pfennigabsatz in zehn Zentimeter Höhe. Ich klickte zum Shop und betrachtete die Schöne von allen Seiten. Selbst die Sohle in glänzendem Weinrot war einzigartig. In Seitenansicht herangezoomt. Himmlisch. Es gab auch schon hunderteins Kundenmeinungen mit unzähligen Sternen. Daran konnte ich mich gar nicht satt lesen. Immer wieder scrollte ich die Kommentare durch. Zauberhafter Schuh. Angenehm zu tragen. Sehr bequem. Drückt nicht. Echter Hingucker. Alles in allem hätte man in dieser Stiefelette einen Super Auftritt, schrieb eine Kundin. Meine Größe war sogar lieferbar. Ein Wunder bei meinen kleinen Füßen. Meistens war Größe sechsunddreißig ausverkauft. Es gab nichts mehr zu überlegen, zumal der Preis okay war und kostenloser Versand und Rückversand zugesichert wurden. Also machte ich mit ein paar Klicks den Kauf klar.
Mir blieb fast der Atem weg, als ich einige Tage später die Teile aus dem eleganten Karton hob und das schwarze Seidenpapier vorsichtig abwickelte. Die High Heel Stiefeletten in meinen Händen waren weit schöner als auf dem Bild. Und wie sie sich anfühlten! Sofort anprobieren. Was für ein Feeling von Eleganz und zudem plötzlich zehn Zentimeter größer zu sein. Ein paar Schritte auf dem Teppich gingen schon ganz gut. Besser noch nicht auf den Kacheln, man weiß ja nie. Nun, das Laufen würde ich noch üben. Erst mal gucken, wie sie überhaupt aussahen an mir. Ich trippelte zum großen Spiegel im Flur und stellte mich auf die erste Treppenstufe, damit ich mich von unten bis oben betrachten konnte. SweetSixty in naturgrau mit endlos langen Beinen in knallengen Jeans und diesen einzigartigen High Heels. Hinreißend. Keine Frage. Ich würde sie behalten.
Nun, zum Spazierengehen und Shoppen waren sie nicht so gut geeignet. Ihren ersten großen Auftritt sollten sie beim Geburtstag meiner Schwiegermutter bekommen, und zwar abends im Restaurant, wenn wir ein paar Straßen weiter mit der ganzen Familie zum Abendessen einkehren würden. Da müsste ich nicht allzu weit laufen. Und das Gehen hatte ich schon geübt, indem ich sie zwischendurch immer mal getragen hatte, für die kurzen Wege zur Mülltonne, zum Papiercontainer oder gelben Sack. Die Feier begann am späten Vormittag mit einem Sektempfang im schwiegermütterlichen Wohnzimmer. Den absolvierte ich in halbhohen Pumps, die sahen auch elegant aus und waren bequemer beim Versorgen der älteren Damen mit Sekt, Orangensaft und Schnittchen. Dabei half mir unsere Dreizehnjährige, an deren langen glänzenden Haaren das Seniorinnengrüppchen ihre wahre Freude hatte. Das waren Zeiten damals beim Arbeitsdienst. Da mussten sie schon mit dreizehn fort von zu Hause und richtig arbeiten auf dem Bauernhof oder in der Mühle. Smalltalk.
Plötzlich merkte ich, dass sich in meinem Kopf etwas zusammenbraute. Kopfschmerzen und das an diesem Tag. Der erste Auftritt meiner High Heels mit Kopfschmerzen? Unvorstellbar. Zunächst wollte ich den Schmerz ignorieren. Ging nicht. Meistens half da Kaffee. Eine große Tasse, doppelte Stärke, zog ich mir aus dem Automaten in der Küche und schlürfte das schwarze Zeug in der Hoffnung auf Besserung. Es half jedoch nicht, im Gegenteil. Es wurde immer schlimmer. Dazu die Übelkeit. Unbemerkt schlüpfte ich in den Flur, schlich die Treppe hoch und war heilfroh, als ich dem Schwindel entflohen war und auf dem Bett lag. Mein Kopf drohte zu zerspringen, ich fühlte mich nur noch mies und konnte nichts tun, gar nichts. So bald ich mich bewegte, wurde es noch schlimmer. Was war nur mit mir los? Nicht einmal die doppelte Dröhnung Kaffee hatte geholfen. Da standen meine High Heels mit Zierkettchen in voller Schönheit neben dem Koffer, bereit zum Auftritt. Wer hätte gestern gedacht, wie gleichgültig sie mir heute waren? Nichts mehr fand ich zauberhaft an ihnen. Affe. Ja, das war ein Affe. Genau so hatte mir mal ein Junkie den Zustand geschildert. Kalter Entzug. Nur, dass dem Affen ein Rausch vorangegangen war. Wo war denn mein Rausch? Da war keiner. Wovon denn? Kaffee hatte ich getrunken, nichts als Kaffee.
Die Mitglieder der Geburtstagsfamily standen abwechselnd vor meinem Bett und versorgten mich mit Tee und einer Aspirin. Schmerztabletten hätten Sabine und Paul auch geholfen, denn die hätten ebenfalls Kopfschmerzen gehabt. So, so, die beiden also auch. Doch einen Affen hatte wohl nur ich. Nein, nein, Aspirin ging gar nicht. Die würde mein Magen zusammen mit dem Kaffee sofort wieder rausschleudern, das kannte ich schon. Für mich war der Geburtstag gelaufen. Das tat mir echt leid für meine Schwiegermutter, aber mein Körper spielte nicht mit. Ja, ich hatte mir das alles anders vorgestellt. Bye, bye High Heels.
Nach einer Mütze Schlaf war am nächsten Morgen der Affe verschwunden, die schwarzen Schönheiten im Koffer verstaut und ich hockte am Frühstückstisch vor meinem Kaffeepott. Schwiegermutter saß vor Kopf. Im Gegensatz zu mir hatte sie mit ihren Fünfundachtzig das Event unbeschadet überstanden. Den Blutdruck hätte sie auch im Griff, seitdem es bei ihr nur noch koffeinfreien Kaffee gäbe. Ja, ja, auch aus dem Kaffeeautomaten, was anderes hätte sie gar nicht mehr im Haus. Ja-nee-is-klar.


(C) Renate Hupfeld 10/2013

Text und Foto: © Renate Hupfeld

33 Kurzgeschichten - Taschenbuch und E-Book: Wenn wir von Liebe reden