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Dienstag, 28. Juli 2015

König Laurin und sein Rosengarten




König Laurin und sein Rosengarten

Vor sehr langer Zeit lebten noch Riesen und Zwerge auf den Bergen und in den Tälern der Alpen. Im Inneren des riesigen Bergmassivs der Dolomiten, das wir heute Rosengarten nennen, herrschte der Zwergenkönig Laurin über sein unterirdisches Reich. König Laurin war sehr reich. Seine prächtige Rüstung aus hellem Golde glänzte in der Sonne, wenn er auf einem schneeweißen Rösslein durch sein Land ritt.
Zu diesem Reichtum hatte König Laurin noch geheimnisvolle Kräfte: Er hatte eine Tarnkappe, die ihn unsichtbar machte, wenn er sie trug. Außerdem besaß er einen mit Edelsteinen geschmückten Gürtel, der ihm die Stärke von sage und schreibe zwölf Männern gab.
Laurins ganzer Stolz war ein wunderschöner Garten vor den Toren seiner Felsenburg. In diesem Garten blühten das ganze Jahr hindurch prachtvolle Rosen in den schönsten Farben. Das leuchtete vom zartesten Rosa bis zum königlichen Samtrot. Die Rosen verströmten einen betörenden Duft, der jedermann glücklich machte, der sich in der Nähe aufhielt. Damit der herrliche Rosengarten gut geschützt war, hatte hatte Laurin um ihn herum einen Zaun aus goldenen Fäden anlegen lassen. Nur durch ein enges Pförtchen konnte man ihn betreten. Der kleine König wachte höchstpersönlich über diese Pracht. Und wehe dem, der mutwillig darin hereinbrach oder auch nur eine Rose pflückte. Dann konnte der kleine König äußerst grausam sein. Er ließ dem Übeltäter gnadenlos die linke Hand und den rechten Fuß abhacken.
An einem schönen Sommertag machte König Laurin unsichtbar durch seine Tarnkappe mit seinem Wagen eine Fahrt durch die Lande. Dabei erreichte er die Gefilde einer fremden Burg. Der Burgherr hatte eine wunderschöne Tochter namens Simhilde. Als König Laurin das schöne Mädchen auf einer Blumenwiese entdeckte, verliebte er sich bis über beide Ohren. Unbemerkt näherte er sich der schönen Simhilde und nahm sie in seinen Wagen und entführte sie in sein Zwergenreich.
Auf der Burg herrschte Bestürzung und Trauer, als Simhilde verschwunden war. Ihr Bruder Dietrich von Bern machte sich auf die Suche und fand sie nach langer Zeit im Reich des Zwergenkönigs Laurin. Es kam zu einem heftigen Kampf, bei dem König Laurin im Vorteil war mit seiner Tarnkappe und dem Gürtel, mit dem er so stark war wie zwölf Männer. Jedoch konnte Dietrich ihn überlisten und ihm Tarnkappe und Gürtel entreißen.
Simhilde wurde befreit und zu ihrem Vater zurück gebracht. Laurin aber wurde nach Bern ins Gefängnis gebracht. Es gelang ihm jedoch sich zu befreien und zu seinem Schloss mit Rosengarten zurückzukehren.
Dort fand er alle seine Untertanen erschlagen vor. Das machte ihn so traurig, dass er an nichts mehr Freude hatte, selbst nicht an seinem Rosengarten. Da sprach er einen Fluch aus, der besagte, der Rosengarten solle zu Stein werden. Die Rosen sollten für niemanden mehr sichtbar sein, weder bei Tag noch bei Nacht.
König Laurin hatte aber die Dämmerung vergessen. Deswegen können wir auch heute noch immer den wunderbaren Rosengarten sehen, immer wenn an schönen Tagen die Sonne untergeht und die Dämmerung beginnt, leuchtet er weit ins Land hinein und alle Menschen können ihn sehen.



Der Drache vom Kreuzkofel



Der Drache vom Kreuzkofel

Es war einmal ein Drache, der lebte in einer felsigen Höhle im Kreuzkofel. Den Bewohnern des Gadertales machte er schwer zu schaffen, denn sein Maul war so groß und seine Zähne so spitz, dass er Menschen und Vieh auf den Almen spielend auffressen konnte. Jeder, der in seine Nähe kam, verschwand auf Nimmerwiedersehen. Kein Wunder, dass die Leute Angst hatten vor diesem Ungeheuer. Die Hirten trauten sich bald nicht mehr, ihre Tiere auf die Almen zu führen.  Als sich die Menschen gar nicht mehr ins Gebirge trauten, kam das Monster zu ihnen hinunter in die Dörfer, durchpflügte Ställe und Stuben und trieb sein Unwesen. Dem edlen Franz auf seinem Schloss in Enneberg kam das Elend der Menschen im Gadertal zu Ohren. Er hatte die beste Armbrust weit und breit, konnte zielen wie kein anderer und vor allem hatte er Mut. Eines Tages machte er sich auf zum Kreuzkofel und fand die Höhle des Untiers. Mit geöffnetem Maul kam es aus seinem Schlupfloch, doch Franz war schneller. Er zielte den Pfeil mitten ins Herz des Monsters. Laut brüllend fiel es in den Abgrund und die Leute im Gadertal waren befreit. 

Montag, 23. Februar 2015

Missgeschick im Mittagstal



Heute wollen wir vom Grödnerjoch aus entlang des Sellamassivs oberhalb der Baumgrenze zum Wasserfall und durch das Mittagstal zurück wandern. Dazu nehmen wir nicht die Gondel, sondern laufen hoch zur Passhöhe. Der Weg führt zunächst gemächlich, später etwas steiler durch Wiese und Wald und gibt beim Blick zurück das ganze Panorama mit Passstraße und dem idyllisch eingebetteten Colfosco und dessen Hausberg Sassongher. Bevor wir uns auf der Terrasse des Restaurants „Frara“ auf der Passhöhe einen Cappuccino gönnen, haben wir den unvergleichlichen Langkofel fotografiert und uns bereits umgesehen, wo wir in unsere Route einsteigen können.
Der Wanderweg 666 beginnt unmittelbar hinter dem Restaurant „Frara“ oberhalb der Passstraße. Als harmloser schmaler Pfad schlängelt er sich hinauf und führt uns schnell auf eine Höhe, von der aus wir das ganze Panorama mit Cirjoch, der Dantercepies Bergstation, Jimmy Hütte, Almen mit Heustadeln, Passstraße und mitten darin unsere Cappuccinoterrasse vor Augen haben. Auf vielleicht halber Höhe des Sellamassivs gehen wir dann eine ganze Strecke weit ziemlich eben in  Richtung Colfosco und Corvara, umgeben von Bergblumen in Rot, Blau, Gelb und Weiß, links der Abgrund, mal steil mal sanfter, rechts der schroffe Fels des mächtigen Sella und inzwischen unter uns das liebliche Tal mit Colfosco und Sassongher.
Der Pfad wird schroffer und dann kommt die Stelle, an der wir den Wanderweg 666 verlassen und auf der 29 weiter wandern in Richtung Wasserfall. Der Blick zurück zeigt uns Passstraße, Almen und Cirspitzen unter felsigem Abgrund und der Blick nach vorne lässt Sassongher, Colfosco mit unserem Mesoles und Corvara näher rücken. Dann hören wir ihn schon, den Wasserfall, und sehen ihn auch bald. Oben rechts über ihm klebt eine ganze Kette von winzig kleinen Kletterern, die sich in Serpentinen den Felsen hinaufkämpfen zum See und zur Pisciaduhütte. Wir überqueren den vom Wasserfall gespeisten Bach, füllen unsere Trinkflaschen, suchen uns einen schönen Sitzfelsen und machen erst einmal Picknick.
Danach wird der Weg noch einmal richtig schön, rechts und links Bäume und ein Flickenteppich in Grün, Grau und Rot bis zum Schild, auf dem wir lesen, dass wir nach Colfosco noch eine Stunde und zehn Minuten zu wandern haben. So lange? Das kommt uns lang vor, zumal unser „Mesoles“ links unten zum Greifen nah scheint und vor uns bereits die gewaltige Felswand des Mittagstales aufragt. Wir steigen ein in den unteren Teil dieses berühmten Tales. Und der Abstieg hat es in sich. Wir befinden uns plötzlich in einem Labyrinth aus Felsen, in dem wir an manchen Stellen vergeblich nach Orientierung suchen. Entweder ist die Lücke zwischen den Brocken zu eng oder gar keine zu finden und in jedem Falle zu hoch und zu steil. Mit Suchen und Probieren kommen wir langsam tiefer. Es geht einigermaßen, bis mir ein Missgeschick passiert, das mir einen Moment lang den Schock in die Adern treibt. Die Sohle eines meiner Schuhe hat sich gelöst, hängt nur noch vorne am Zeh und klafft gefährlich auseinander. Ich schau zu Georg hinüber. Ihm steht der Schreck im Gesicht geschrieben. Ohne Sohle läuft in diesem schroffen Gelände gar nichts. Holt mich hier raus! Mit zitternden Händen binde ich mit dem Schnürband das Teil am Schuh fest und hoffe, dass es hält  und nicht an den scharfen Steinen durchscheuert. Weiter absteigen, es gibt ja keinen anderen Weg. Es scheint gut zu gehen. Ganz langsam kommen wir hinunter, bis zum nächsten Missgeschick. Der zweite Schuh macht dieselben Sohlensperenzchen.  Ich könnte schreien, doch Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Auch dieser Bösewicht wird in gleicher Weise mit dem Schnürband behandelt, das heißt, meine Schritte werden noch vorsichtiger. Konzentration pur ist angesagt. Und durchhalten, denn wir haben unser Ziel noch lange nicht erreicht, auch wenn wir es schon prima sehen können. Es geht noch ein gutes Stückchen steil abwärts. Wir kämpfen uns langsam hinunter und erreichen nach einer gefühlten Ewigkeit den sicheren Spazierweg, der uns nach einer erstmaltiefdurchatmen Bankpause zum unteren Teil des Wasserfalls führt, dem touristischen Bereich. Der ist schön präpariert, sodass ich es sogar wage, auf notdürftig festgebundenen Sohlen die paar Höhenmeter hochzusteigen. Schließlich gelangen wir quer über die Wiese und durch ein Wäldchen zur Herberge, auf deren Terrasse wir unseren Herrn Lanzinger mit der Geschichte erheitern und uns ein kühles Skiwasser genehmigen. Ja, das Mittagstal ist nicht einfach und sie müssten da mit den Wanderwegen viel mehr machen, meint er.

Text und Foto: (C) Renate Hupfeld 08/2013 


Mehr davon in: Sechs Wanderungen in den Dolomiten